Ameisen im Portrait

Ameisen gehören zu den am weitesten verbreiteten Insekten auf der Welt, auch in Deutschland sind etwa 110-120 Arten heimisch. Trotz dieser grossen Anzahl verhalten sie sich meist unauffällig in Wäldern, Wiesen oder Gärten.

Nur wenige heimische Arten treten regelmässig in der Nähe von Gebäuden oder im Innern von Häusern in Erscheinung. Und wenn, dann können sie mit einfachen Tricks wieder umgeleitet werden. Das ist wichtig zu wissen, denn die Ameise ist von ungeheurer Wichtigkeit für das Gleichgewicht unseres Ökosystems. Mit dem häufigeren Auftreten von invasiven Arten sind während der letzten Jahre aber auch Superkolonien gesichtet worden, die zur Belastung im und ums Haus werden können.

Wie man die gängigsten Ameisen erkennt und was man gegen oder für sie tun kann, zeigen wir in diesem Portrait.

© Andermatt Biogarten AG

Ameisen im Ökosystem 

Wichtig: Klimawandel und Habitatverlust zusammen mit intensivierter Landwirtschaft und extensivem Pestizidgebrauch sind die Hauptursachen für den Rückgang der Insektenvielfalt. Und somit auch der Vielfalt der Ameisen: In Deutschland sind etwa die Hälfte der Ameisenarten bedroht.

Ameisen sind für die Natur von sehr grosser Bedeutung. Zum einen verbessern sie mit ihren Gängen die Bodenbeschaffenheit und verbreiten Samen. Zum anderen tragen sie mit anderen bodenlebenden Insekten, wie Fliegenlarven und Käfern dazu bei, tote Tiere zu zersetzen, und schaffen dadurch neue Lebensräume für Bakterien, Pilze und andere Organismen. Zudem beseitigen sie organische Abfälle, sowie Eier von Schnecken oder Insekten. Daher nur eingreifen, wenn es wirklich nötig ist, sprich, ein grosser Schaden am oder im Haus abgewendet werden muss.

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Erkennungsmerkmale Ameisen

Einheimische Ameisen

Sehr häufig sind die Hausameise und die Schwarze Wegameise, aber die Liste ist damit noch lange nicht abgeschlossen. Oft unterscheiden sich einzelne Arten nur durch kleine Details, es lohnt sich also, genau hinzuschauen.

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Zweifarbige Wegameise (auch: Hausameise) (Lasius emarginatus)

  • Arbeiterinnen ca. 4 mm lang, Männchen 3.5– 4.5 mm, Königinnen 7–9 mm
  • Kopf rötlich bis dunkelbraun, Mittelteil rötlich, Hinterleib dunkelbraun
  • Nur 1 Königin pro Nest, legt ihre Nester meist zwischen Steinen, aber auch in morschem Totholz an 
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Braune Wegameise (Lasius brunneus)

  • Arbeiterinnen 3–4 mm, Männchen etwas grösser und nicht zweifarbig, Königinnen 6,5–8,5 mm
  • Sieht sonst der Zweifarbigen Wegameise sehr ähnlich, jedoch viel weniger Behaarung am ersten Antennenglied und am letzten Beinpaar
  • Nur 1 Königin pro Nest, meist in Totholz oder Hohlräumen 
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Schwarze Wegameise (auch: Schwarze Gartenameise) (Lasius niger)

  • Arbeiterinnen 3–5 mm lang, Männchen 3.5–4.5 mm, Königinnen 8–9 mm
  • Dunkelbraun-schwarz, dichte, silbrige Körperbehaarung, einige lange Körperhaare
  • Nur 1 Königin pro Nest, diese meist im Boden, unter Steinen oder in morschem Holz
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Rote Gartenameise (Myrmica rubra)

  • Arbeiterinnen und Männchen ca. 4–6 mm, Königinnen 7–8 mm
  • Arbeiterinnen und Königin sind mit einem Giftstachel versehen, der zwar Schmerzen verursacht, aber ungefährlich ist
  • Nestbau in morschem Holz, unter Moospolstern, im Schutz von Steinen, oder im offenen Feld, meist mit rund 1000 Ameisen, es können sich aber auch Superkolonien mit mehreren Nestern bilden 
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Rote Waldameise (Formica rufa)

  • Arbeiterinnen 5–11 mm, Königinnen 9–11 mm
  • Auffällig zweifarbig: schwarzbrauner Kopf und Hinterleib, Rest rötlich
  • Bauen grosse Nester an Waldrändern oder Lichtungen, die nicht gestört werden dürfen, da die Population der Art zurückgeht und deshalb geschützt ist
  • Diese Ameisenart ist bei uns bekannt dafür, dass sie sich zur Verteidigung mit Ameisensäure schützt, welche auf der Haut brennt (sofortiges Abspülen mit Wasser verschafft Linderung) 
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Fliegende Ameisen

Geflügelte Ameisen sind keine eigene Art, sondern ein Fortpflanzungsstadium. Fliegende Ameisen sind geschlechtsreife Männchen und Weibchen verschiedener Ameisenarten, die sich auf ihrem Hochzeitsflug befinden.  

Neue invasive Arten

Bei uns treten immer mehr invasive Ameisenarten auf, was dazu führen kann, dass sich Superkolonien in und um Gebäude bilden – Strukturen, die man sonst eher aus den Tropen kennt. Die meisten dieser Arten gelangen unabsichtlich, meist als blinde Passagiere, zum Beispiel in Kübelpflanzen, in unsere Umgebung. Da sie hier kaum natürliche Fressfeinde oder Krankheitserreger antreffen, können sie sich am neuen Ort rasant ausbreiten, was mitunter zu riesigen Ansammlungen und Kolonien führen kann. Das System einer Superkolonie mit zahlreichen Königinnen kann sich über Hunderte Kilometer erstrecken.

Vergessene Gartenameise (Lasius neglectus)

  • Arbeiterinnen 2.5–3.5 mm, Königinnen bis 6 mm 
  • dunkle, braune Färbung (Königin schwarzbraun), Hinterleib fein behaart mit leichtem Glanz, ohne lange Körperhaare
  • Der Wegameise (Lasius niger) sehr ähnlich, kommt im Gegensatz zu dieser in Superkolonien vor
  • Mehrere Königinnen pro Nest
  • Ursprünglich rund ums Schwarze Meer zu Hause 
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Grosse Drüsenameise (Tapinoma magnum)

  • 2–4 mm (Grössenunterschiede innerhalb der Arbeiterinnen), Königinnen deutlich grösser
  • vollständig schwarz, kleine Kerbe am vorderen Rand des Kopfschildes
  • Verströmen einen intensiven Geruch bei Reizung
  • Mehrere Königinnen pro Nest, bilden Superkolonien
  • Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum
  • Für den Menschen ungiftig, jedoch für andere Ameisen giftig 

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Schwarzkopfameise (auch: Geisterameise) (Tapinoma melanocephalum)

  • Arbeiterinnen 1.3–1.5 mm, Königinnen 2.5–3 mm
  • Kopf, Thorax-Oberseite und Fühlerschaft dunkelbraun, Hinterteil, Beine und restlicher Fühler hellgelb bis manchmal durchscheinend
  • Hohes Feuchtigkeitsbedürfnis und daher oft in der Nähe von Bad oder Küche
  • Mehrere Königinnen pro Nest 

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Pharaoameise (Monomorium pharaonis)

  • Arbeiterinnen ca. 2 mm, Königinnen 3.5–5 mm 
  • Filigran aussehend, Vorderleib bernsteinfarben, Hinterleib dunkelbraun
  • Überleben bei uns nur in geheizten Gebäuden 
  • Viele Nester mit mehreren Königinnen pro Nest
  • Vermehren sich kontinuierlich und rasant und können Krankheitserreger übertragen 
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Melden und Bekämpfen invasiver Ameisen

Invasive Ameisen verursachen je nach Art verschiedene Schäden. Ameisen, die hauptsächlich im Freien anzutreffen sind, können Pflanzen schädigen. Einige tropische Arten leben ausschliesslich in Innenräumen, wo sie ein Problem für elektrische Geräte oder die Hygiene werden können. Invasive, gebietsfremde Arten sollten der kantonalen oder kommunalen Fachstelle für Neobiota (gebietsfremde Arten) gemeldet werden.

Auch unsere Nachbarländer kämpfen mit invasiven Ameisen wie z. B. Tapinoma magnum, die grosse Superkolonien bilden und Schäden verursachen. Besonders wirksam sind gemäss bisherigen Erfahrungen schnelles, gezieltes Eingreifen, wie der gezielte Einsatz von heissem Wasser (Kehl) oder eine rasche Behandlung durch Fachleute (Zürich). Entscheidende Faktoren sind laut Experten konkret das Tempo bei der Bestimmung der invasiven Art, das schnelle Starten einer Massnahme, sowie ein anfangs hoher Bekämpfungsrhythmus.

Lebensweise und Zyklus von Ameisen

Ameisen sind sehr anpassungsfähige Tiere und kommen in Gärten, Städten oder auch im Wald vor, wo sie sich unter Steinen, Baumrinde, im Rasen und in Mauerspalten verbergen und dort ihre Nester bauen. Als Nahrung dienen zuckerhaltige (hauptsächlich Honigtau) und proteinhaltige Substanzen (hauptsächlich andere Insekten).

Für den Honigtau halten sich viele Ameisenarten Blatt-, Schild- und Wurzelläuse. Diese werden von den Ameisen gemolken und das kostbare Gut beschützt. Deshalb verteidigen Ameisen Läuse vor Fressfeinden, wie dem Marienkäfer.

Die meisten einheimischen Ameisen kommen selten ins Haus. Wenn, dann am häufigsten im Frühling, wenn sie auf der Suche nach Nahrung sind. Werden sie fündig, legen sie eine Duftspur für die anderen Ameisen bis ins Nest.

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Vorgehen und biologische Behandlung bei Ameisen im Haus und im Garten

Je nach Art der Ameisen und dem Standort ihres Nests ist ein unterschiedliches Vorgehen zur Vorbeugung eines Befalls oder zur Bekämpfung erforderlich. Daher ist es wichtig, zuerst die Ameisenart zu bestimmen.

Ameisenstrassen und -nester sowie Ritzen und Verstecke der zu bekämpfenden Insekten können mit InsectoSec gegen Ameisen eingestäubt werden. InsectoSec beinhaltet einen natürlichen Silikatstaub, welcher aus fossilen Kieselalgen gewonnen wird. Die Wirkung erfolgt mechanisch und ist ohne Nebenwirkungen für Menschen und Haustiere.

Nützt dies nichts, Ameisenköder direkt in die Ameisenstrasse oder in die Nähe des Nests legen. Zusätzlich werden mit InsectoSec Barrieren gesetzt, am besten vor der Tür oder dem Fenster, durch die sie gekommen sind.

Ameisennester draussen werden nicht bekämpft, sie werden in der Natur gebraucht. Notfalls können sie aber umgesiedelt werden. Dazu einen Tontopf mit etwas Holzwolle und Erde umgekippt über dem Nest platzieren, die Ameisen ca. 1 Woche einziehen lassen, und dann an den neuen Standort verschieben.

Gut zu Wissen 

Um Läuse bekämpfen zu können, müssen zuerst die Ameisen mittels Anbringens einer Ameisenbarriere von ihnen ferngehalten werden, da sie sie beschützen. Alternativ kann auch ein Leimring benutzt werden.

Bei einem sehr grossen Befall oder einem Nest im Haus lohnt es sich, wenn eine Fachperson die Art bestimmt und eine Bekämpfung durchführt.

Vorgehen gegen einheimische Ameisen auf einen Blick

  • Flugameisen durch geöffnete Fenster nach draussen lassen
  • Ameisenstrassen unterbrechen, und Ameisen mit Schüfeli und Bäseli nach draussen befördern
  • Ameisenstrassen und -nester einstäuben 
  • Ameisenköder platzieren
  • Barrieren setzen mit einem Mittel
  • Nester draussen umplatzieren
  • Einzelne Pflanzen gezielt mit einer Ameisenbarriere schützen 

Vorgehen gegen invasive Ameisen auf einen Blick

  • Schnelles handeln (erkennen, melden und bekämpfen) sind von essentieller Bedeutung.
  • Den Fund dokumentieren und der kommunalen Fachstelle für Neobiota melden.
  • Auch bei invasiven Ameisen konnten in der Praxis Erfolge mit im Handel erhältlichen Mitteln erzielt werden, kontaktieren Sie dazu die an ihrem Wohnort zuständige Fachstelle für Neobiota. 
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Vorbeugende biologische Massnahmen gegen Ameisen 

  • Esswaren sicher aufbewahren und nicht für Ameisen zugänglich halten (dichte Behälter), auch Oberflächen sauber halten
  • Zugänge verschliessen (undichte Fenster und Mauern), offene Fenster mit Insektengittern ausstatten
  • Abfall möglichst oft entsorgen (Kompost oder Müllabfuhr) und verschlossen aufbewahren
  • Mit starken Düften arbeiten – Thymian, Lavendel und Rosmarin bei Eingängen pflanzen, Lorbeerblätter in Schränke verteilen (Dass sich Ameisen durch den Duft bestimmter Pflanzen abhalten lassen, ist nicht eindeutig wissenschaftlich erwiesen. Ausprobieren schadet allerdings nicht.)
  • Verbautes Holz vor Feuchtigkeit schützen, um Holzameisen fernzuhalten
  • Gepäckstücke nach Reisen gut kontrollieren  
  • Neue Topfpflanzen  und Erde auf Ameisennester untersuchen 

Produkte gegen Ameisen

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Ameisenbarriere

Spezialleim für Baumstämme zur Fernhaltung von Ameisen, Frostspannern und anderen krabbelnden Insekten.
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Bio-Lavendelbeutel

Mit Bio-Lavendelbeuteln können Kleider und Vorräte vor Motten geschützt werden. Lavendel und Baumwolle stammen aus biologischem Anbau.